SAP Enterprise Threat Detection (ETD) ist das SIEM für die SAP-Welt. Was nüchtern klingt, ist in der Praxis ein mächtiges, aber auch anspruchsvolles Werkzeug. Dieser Beitrag erklärt, wie ETD vom Rohlog zum Alarm kommt, was es gut macht und wo die ehrlichen Grenzen liegen.
Kurzfassung
ETD sammelt sicherheitsrelevante Logs aus der SAP-Landschaft in Echtzeit, normalisiert sie zu einheitlichen Ereignissen und prüft sie gegen Patterns, also Erkennungsregeln. Trifft ein Pattern, entsteht ein Alert. Die Stärke liegt im SAP-spezifischen Verständnis (Anwendungs- und Datenbankebene, manipulationssichere Loglieferung). Die Schwäche liegt nicht im Produkt, sondern im Aufwand: Ohne gepflegte Logquellen, getunte Patterns und Menschen, die Alerts auch ansehen, bleibt ETD ein teurer Datensammler.
Was ETD ist, und was nicht
ETD ist ein Security Information and Event Management speziell für SAP. Es versteht SAP-Semantik, also was ein Debug-Zugriff, eine kritische Berechtigungsänderung oder ein Tabellenzugriff bedeutet, statt nur Textzeilen zu zählen. Genau das unterscheidet es von einem generischen SIEM, dem die SAP-Bedeutung fehlt.
Was ETD nicht ist: kein Selbstläufer und kein Ersatz für einen SOC. Es liefert Alerts, aber die Bewertung, Eskalation und Reaktion bleibt menschliche Arbeit.
Das Produkt gibt es in drei Ausprägungen, die sich in Betrieb, Funktionsumfang und Preis unterscheiden:
- ETD (on-premise): klassische Installation im eigenen Rechenzentrum, aktuell als Version 2.0. Volle Kontrolle, voller Eigenbetrieb.
- ETD, cloud edition: das SaaS-Angebot, auf S/4HANA zugeschnitten, inklusive Managed-Security-Komponente durch SAP. Ist eingeschränkter von den Patterns und Funktionen, eher eine Art Basis-Monitoring.
Wie ETD funktioniert
Der Weg vom Ereignis zum Alarm läuft in vier Stufen:
- Sammeln. Quellsysteme liefern ihre Sicherheitslogs an ETD. Ein wichtiges Detail: ABAP-Systeme können Logs über eine eigene Kernel-Schnittstelle direkt senden, was Manipulation deutlich erschwert. Allerdings hatten wir hier interessante Effekte, nicht alle Daten kamen an. Ferner gibt es kein Caching, wenn ein System ausfällt werden die erzeugten Logdaten nicht nachgeliefert. Daher ist das klassische Monitoring via Job besser, da es die Logdaten bei Ausfall/Restart sauber nachliefert da es weiß was zuletzt übertragen wurde.
- Normalisieren. ETD übersetzt die unterschiedlichen Logformate in ein einheitliches semantisches Datenmodell. Erst dadurch lassen sich Vorgänge aus verschiedenen Systemen überhaupt vergleichen und verketten und das recht leicht. Konkret kann man so semantisch fragen, gab es einen Admin Logon, dies zeigt das ETD an, dann für alle Systeme (HANA, AS ABAP, AS JAVA) da das Event ja in allen gleichermaßen auftreten kann. Macht die Entwicklung der Patterns deutlich einfacher.
- Korrelieren und prüfen. Die normalisierten Ereignisse laufen gegen die Patterns. Hier entscheidet sich, ob aus tausenden harmlosen Vorgängen das eine verdächtige Muster herausgefiltert wird. Hier kann. man sich schöne Sachen bauen, man filtert wirklich soweit runter bis man meint relevantes zu bekommen, spart einen viele false-positives oder true-positives.
- Alarmieren und untersuchen. Trifft ein Pattern, entsteht ein Alert. Dieses kann man sich anzeigen lassen, mit Trigger, Original-Log, normalisierten Log (semantisches Modell). Es erleichtert die Analyse, man benötigt hier aber nach wie vor Skill in der SAP-Technik.
Patterns: kurzer Durchflug
Patterns sind die Regeln über die Alerts ausgelöst werden. ETD bringt einen Satz vordefinierter Patterns mit, gruppiert in thematische Workspaces. Typische Beispiele:
- wiederholte fehlgeschlagene Anmeldungen (Brute Force)
- verdächtige oder ungewöhnliche Logins
- Zugriffe auf kritische Ressourcen
- unautorisiertes Debugging
- verdächtige Datenmanipulation
Erfahrungsgemäß sind diese Patterns sehr generisch, bspw. kennt SAP nicht die eigenen produktiven Systeme. Es empfiehlt sich daher diese zu kopieren und auf die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Hier gerne ein paar eigene Value Lists anlegen (mit den produktiven Systemen, privilegierten Usern) um die Filterung zu verfeinern. Die mitgelieferten Patterns speisen sich aus mehreren Quellen, unter anderem dem ERP-Auditing-Leitfaden der DSAG, SAPs Anomaly Detection Lab und den SAP Security Notes. SAP aktualisiert diesen Content laufend, meiner Einschätzung nach hat man aber genug damit zu tun seine eigenen Patterns erstmal sauber zu pflegen und einzurichten.
Stärken
Was ETD gegenüber einem generischen SIEM auszeichnet:
- SAP-Semantik nativ. Es weiß, was ein Ereignis im SAP-Kontext bedeutet, nicht nur, dass eine Logzeile existiert.
- GANZ Wichtig: Es kennt die Logformate der unterschiedlichen SAP-Logs, dies einem herkömmlichen SIEM-Tool beizubringen ist schwer möglich. Ferner sind die Eventkonstellationen so komplex, das eine Aggregation im Nicht-SAP-Siem sehr schwer wird.
- Anwendungs- und Datenbankebene. Erkennung greift sowohl auf dem Application Server als auch auf HANA-Ebene.
- Pseudonymisierung von Nutzerdaten mit gesonderter Berechtigung zur Auflösung, wichtig für Betriebsrat und Datenschutz.
- Echtzeit wenn man Kernel nutzt, die Patterns laufen aber immer asynchron, also 1 Minute ist mind. verzögert. Ob das Echtzeit ist?
Grenzen, ehrlich betrachtet
Hier der Teil, den Produktfolien gern weglassen, der aber über Erfolg oder Frust entscheidet:
- Pattern-Qualität ist gleich Erkennungsqualität. Schlecht getunte Patterns produzieren entweder eine Alarmflut oder übersehen das Wesentliche. Ohne kontinuierliches Tuning bzw. Anpassung an die eigene Landschaft ersäufst du in False Positives.
- Logabdeckung ist die Achillesferse. Was nicht als Log geliefert wird, sieht ETD nicht. Lücken in den Quellsystemen sind blinde Flecken, egal wie gut die Patterns sind. Anbindung und stete Pflege ebensolcher ist dauerhafte Aufgabe und nicht zu unterschätzen.
- Es braucht Menschen. Alerts ohne Analysten sind wertlos. ETD ersetzt keinen SOC, es füttert ihn.
- Sizing und Kosten. Die Datenmengen sind erheblich, das schlägt sich in Infrastruktur und Lizenz nieder. Das gehört vorab realistisch geplant. Linderung kann hier NSE schaffen, damit kann man den Memory-Footprint reduzieren. Es kommt wirklich auf die Aufbewahrungsdauer an.
ETD und das übrige SIEM
ETD muss kein Inselsystem sein. Im Gegenteil, der sinnvollste Aufbau in vielen Häusern ist: ETD als SAP-Sensor, der ins zentrale SIEM einspeist. ETD versteht die SAP-Welt, das zentrale SIEM hat den Gesamtblick über die IT.
Achtung. Die Alerts müssen verstanden werden, es bringt nichts einen ETD Alarm ins zentrale SIEM zu speißen, ohne Personal mit Knowledge für SAP zu haben. Woher soll ein SOC Analyst wissen, ob eine Anmeldung von DDIC im Mandant 066 in Ordnung ist oder nicht?
Praxis: woran ein gutes ETD-Setup hängt
Wenn ich das Wichtigste auf wenige Punkte eindampfe:
- Logquellen vollständig anbinden. Erst Abdeckung, dann Feintuning. Ein blinder Fleck nützt dem besten Pattern nichts.
- Patterns iterativ tunen. Mit den Standard-Patterns starten (kopieren in eigenen Namespace), Fehlalarme analysieren, eigene Patterns für die wirklich kritischen Vorgänge bauen. Klein anfangen, Namenskonvention festlegen. Dann langsam erweitern.
- Pseudonymisierung sauber regeln. Wer darf Klarnamen auflösen, unter welchen Bedingungen? Das früh mit Datenschutz und Betriebsrat klären, nicht erst im Ernstfall.
- Alert-Routing festlegen. Dorthin, wo reagiert wird (zentrales SIEM, Ticketing, Chat-Kanal des Teams), nicht in ein totes Postfach.
ETD hilft eine Transparenz in die SAP-Landschaft zu bringen, die man sonst nicht hätte. Auch Betriebsprobleme, Fehleranalysen können unterstützt werden. Zusätzlich kann man auf bekannt gewordene Vulnerabilities im SAP-Patchday schnell reagieren, indem man bspw. ein verwundbaren RFC Baustein ins Monitoring nimmt, prüft ob dieser im letzten Monat überhaupt ausgeführt wurde -> so kann man recht schnell sagen, ob man betroffen war, ob man es einfach patchen kann (da es keiner nutzt) und parallel noch sehen, ob es einer nutzt. Schon genial, oder?
Quellen
- SAP Help Portal: SAP Enterprise Threat Detection
- SAP Help Portal: SAP Enterprise Threat Detection, Cloud Edition
- SAP Produktseite: Enterprise Threat Detection
- SAP Community: Enterprise Threat Detection Topic Page
- SAP Community: ETD cloud edition und Microsoft Sentinel